Hirnforschung bestätigt Psychoanalyse
Die moderne Hirnforschung bestätigt die Forschungsergebnisse der Psychoanalyse
Die Theorie Sigmund Freuds wird in den Kernaussagen bestätigt:
- das Unbewusste ist dominant gegenüber dem Bewussten
- frühkindliche Erfahrungen haben eine wesentliche Bedeutung für das ganze Leben
- das Selbstverstehen enthält nur beschränkte Bedeutung und
- das bewusste Ich hat eine Neigung zu erfundenen Erklärungen
Im Einzelnen:
- Persönlichkeit, Charakter des Menschen, Grundstrukturen des Verhältnisses zu sich selbst, wie auch des Verhältnisses zu seiner Umwelt werden früh festgelegt:
- Genetische und vorgeburtlich bedingte Charakterzüge machen knapp die Hälfte unserer Persönlichkeit aus
- Hinzu kommen Merkmale, die durch prägungsartige Vorgänge kurz nach der Geburt bzw. in den ersten drei bis fünf Jahren bestimmt werden, besonders wichtig sind dabeidie Interaktion mit den Bezugspersonen (Mutter, Vater, Erzieher)
- In späterer Jugend und im Erwachsenenalter ist der Mensch in seinen Persönlichkeitsmerkmalen nur noch veränderbar durch starke positive oder negative emotionaleErlebnisse
- Menschen suchen sich eher die Umwelten, die zu ihnen passen, als dass sie sich diesen Umwelten anpassen.
- Die unbewussten Vorgänge in unserem Gehirn wirken stärker auf die bewussten ein.
- Das bewusste Ich steht jedoch unter Erklärungs- und Rechtfertigungszwang. Dies führt zu den typischen Pseudoerklärungen eigenen Verhaltens, die aber gesellschaftlich akzeptiert werden
- Das bewusste Ich ist nicht in der Lage, über Einsicht oder Willensentschluss seine emotionalen Verhaltensstrukturen zu ändern
- Dies kann nur über emotional "bewegende" Interaktionen geschehen. (So z. B. in einer Liebes-Beziehung, einer längeren Therapie o.ä.)
- Unsere subjektiv empfundene Freiheit des Wünschens und Wollens ist eine Illusion.
- Der Mensch fühlt sich frei, wenn er tun kann, was er zuvor wollte
- Unsere bewussten Wünsche, Absichten Wille stehen unter Kontrolle des unbewussten Erfahrungsgedächtnisses
- Das Gefühl eines freien Willensaktes entsteht, nachdem unser Gehirn festgelegt hat, was zu tun ist
- Die Parallelität der Entwicklung des Gehirns und der Persönlichkeit.
- Das sich entwickelnde Gehirn saugt förmlich die Einwirkungen der Umwelt in sich auf
- Die Geburt und die Erlebnisse der ersten Stunden, Tage, Wochen und Monate danach wirken als Umweltreize zutiefst auf die Konditionierungsebene ein und formen dadurch das Grundgerüst unserer Persönlichkeit.
- Die Hirnteile, deren Aktivität unser gesellschaftliches Handeln bestimmt
- den Umgang mit unseren Mitmenschen
- das Abschätzen der Folgen unseres Verhaltens
- sowie moralische und ethische Erwägungen, entwickeln sich z. T. erst während und nach der Pubertät
- Wir lernen, unsere Bedürfnisse und Handlungsantriebe den gesellschaftlichen Verhältnissen so anzupassen, dass sie eine weitgehende Verwirklichung unsererWünsche und Pläne bei minimalen sozialen Konflikten ergibt.
- Menschen können aus eigenen Kräften ihre Persönlichkeitsstruktur nicht ändern, aber sie können aus eigenen Kräften dafür sorgen, dass ihre Persönlichkeit sich möglichst gut mit den sozialen Gegebenheiten verträgt.
- Das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft.
- Aus den Erkenntnissen der Neuro- und Kognitionswissenschaften ergibt sich
- ein eindeutiges Plädoyer für einen Individualismus, d.h. für die Sicht, dass es eher die Menschen mit ihrer in früher Jugend erworbenen Persönlichkeitsstrukturen sind, welche die Gesellschaft bestimmen
- dass die Schnelligkeit oder Langsamkeit, mit der sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzieht, weitgehend von den emotionalen und kognitiven Fähigkeiten und Beschränktheiten der Individuen bestimmt ist.“
Quelle: Hirnforscher Gerhard Roth und sein Buch:
„Fühlen, Denken, Handeln – Wie das Gehirn unser Verhalten steuert.“
„Fühlen, Denken, Handeln – Wie das Gehirn unser Verhalten steuert.“